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E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
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Architecture on Display

Redaktion:  Kai Kappel / Ursula Müller / Tina Zürn 

Ausgabedatum:  28.12.2014

Die Beiträge dieser themenspezifischen Ausgabe von kunsttexte.de basieren auf dem internationalen Symposium „Architecture on Display“, das am 8. und 9. Mai 2014 in Berlin stattfand. Ausrichter waren zwei langjährige Kooperationspartner, das Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität (hier: die Professur für die Geschichte der Architektur und des Städtebaus) und die Berlinische Galerie (insbesondere die Architekturabteilung der BG). Der internationale Kulturbetrieb umfasst heute eine Vielzahl namhafter Architekturmuseen. Angesichts technologischer, ökonomischer, kultureller und gesellschaftlicher Veränderungen unserer Zeit sehen sich diese Institutionen weltweit mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Welchen Einfluss haben die fortschreitende Digitalisierung von Entwurfsprozessen und neue partizipative Planungs- und Baumethoden auf Strategien des Sammlungserwerbs und die Vermittlung von Sammlungsgütern? Gibt es künftig noch das originale Werk? Wie lassen sich die Erzeugnisse des 21. Jahrhunderts als Zeitdokumente sammeln? Gründe genug für uns Herausgeberinnen und Herausgeber, gemeinsam mit den Verantwortlichen über eine langfristige Sicherung der qualitätsvollen Arbeit von Architekturmuseen, Archiven und Forschungsinstituten nachzudenken. Die in dieser Ausgabe von kunsttexte.de publizierten Stellungnahmen sind erwartungsgemäß polythematisch; in den zutage tretenden übergreifenden Strukturen ergeben sich eine Fülle von Problemlagen, die Wechselbezüge deutlich machen und Kontextualisierungen ermöglichen. Einleitend steckt Kai Kappel den historischen Rahmen ab, in dem die vorgestellten Institutionen international zu verorten sind, und liefert dabei einen dezidierten Einblick in die Geschichte des Sammelns und Ausstellens von Architektur, der von der gotischen Bauhütte bis zum digitalen Wissensspeicher reicht. Anschließend berichten Leiterinnen und Leiter von Architekturmuseen und -sammlungen über den aktuellen Stellenwert von Architektur in ihren Institutionen. Im Mittelpunkt stehen dabei Entscheidungen bei der Auswahl und Vermittlung des Sammlungsgutes vor dem Hintergrund unterschiedlicher Sammlungsaufträge. Wolfgang Voigt (Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main), der auf dem Symposium den Abendvortrag hielt, befasst sich aus aktuellem Anlass mit der Gründungsgeschichte des DAM und den Konzepten seines ersten Direktors Heinrich Klotz. Moritz Wullens Thema ist die aktuelle und künftige Sammlungspolitik der Kunstbibliothek in Berlin mit ihren reichen Nachlassbeständen (unter anderem zu Erich Mendelsohn und Heinrich Tessenow). Ursula Kleefisch-Jobst erläutert das Konzept des Museums für Architektur und Ingenieurkunst NRW (M:AI), das ohne eigenes Haus mit innovativen Ausstellungsaktivitäten auf sich aufmerksam macht. Sergei Tchoban berichtet von der Gründung eines Museums der Tchoban Foundation, das eigens der handgefertigten Architekturzeichnung gewidmet ist und für das der Architekt einen kongenialen Neubau am Pfefferberg in Berlin Mitte errichtet hat. Daria Dorota Pikulska gibt Einblicke in das Architekturmuseum in Wrocław, das in den Räumen eines ehemaligen Benediktinerklosters untergebracht ist. Neben historischen Beständen zeigt das Museum regelmäßig Wechselausstellungen aus seiner bedeutenden Sammlung, die bis in die Moderne reicht. Thomas Köhler, Direktor der Berlinischen Galerie, präsentiert in seinem Beitrag zeitgenössische künstlerische Architekturprojekte, die das Museum als ortsspezifische Arbeiten meist selbst in Auftrag gegeben hat. Gleich mehrere Beiträge handeln von den aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung. Ekkehard Drach und Klaus Tragbar beschreiben die Auswirkungen digitaler Planungsmethoden auf die Archivierung von Architekturprojekten. Insbesondere durch die permanente Überschreibung von Zwischenlösungen während der Planung lässt sich der Entwurfsprozess nachträglich kaum noch abbilden. Damit stellen sich neue Herausforderungen nicht nur für das Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck, das sich unter anderem auf das Bauschaffen der Alpenregion spezialisiert hat. Dass die Digitalisierung der Archivbestände einerseits von institutsübergreifenden Kooperationen und andererseits von digitalen „Vorlass“-Systemen profitieren kann, unterstreicht Christoph Bernhardt, der die Historische Forschungsstelle und die Wissenschaftlichen Sammlungen des Leibniz-Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) in Erkner bei Berlin leitet. Von den Möglichkeiten und Grenzen digitaler Archivierung handeln Elisabeth Kieven und Georg Schelbert. Sie stellen in ihrem Beitrag eine online zugängliche Forschungsplattform vor, die an der Bibliotheca Hertziana angesiedelt ist: das Projekt LINEAMENTA. Vor allem im Hinblick auf die Systematik der Präsentation sowie die Verfügbarkeit und Vergleichbarkeit der Artefakte sind digitale Architektursammlungen den ortsgebundenen Institutionen überlegen. Hans-Dieter Nägelke präsentiert in einem Filmbeitrag das von ihm geleitete Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, das seit 2004 durch die ambitionierte Digitalisierung seiner Bestände von sich reden gemacht hat. Wie gefährdet selbst ein erfolgreiches, in seinem Bestand herausragendes und öffentlich stark wahrgenommenes Architekturarchiv sein kann, zeigt Gerhard Kabierske in einem ebenso informativen wie nachdenklich machenden Beitrag über das Südwestdeutsche Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) in Karlsruhe. Die Vielfalt und Bandbreite der vorgestellten Institutionen zeugt von einer hohen Wertschätzung der Baukultur. Zugleich zeichnen sich bereits heute die Grenzen des Sammelns von Architektur in einer zunehmend vernetzten, globalisierten Welt ab. Vor dem Hintergrund ökonomischer Zwänge sind die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen kritisch zu verfolgen und umfassende, nicht allein auf große Namen und Höhepunkte gerichtete Sammlungskonzepte erstrebenswert. Selbst die jüngeren Architektursammlungen haben inzwischen einen oder mehrere Generationswechsel mit unterschiedlichen Akzentsetzungen vollzogen. Wünschenswert ist daher eine systematische Erforschung der Geschichte der jeweiligen Institutionen und der sie prägenden Persönlichkeiten. Zum Symposium eingeladen waren insgesamt 17 Expertinnen und Experten aus der Museums- und Sammlungspraxis, um die Strategien und Positionen ihrer Institutionen vorzustellen. Ihnen allen sei für ihre engagierten Beiträge und kritischen Diskussionsbeiträge herzlich gedankt. Namentlich genannt seien nicht zuletzt auch jene, die sich nicht an dieser Online-Publikation beteiligen konnten: Ben van Berkel (UNStudio, Amsterdam), Annemarie Jaeggi (Bauhaus Archiv, Museum für Gestaltung, Berlin), Klaus Overmeyer (urban catalyst studio, Berlin) und Floor van Spaendonck (HNI, The New Institute, Rotterdam). Für die Möglichkeit, die Tagungsbeiträge in der Sektion Architektur, Stadt, Raum von kunsttexte.de als Gastredaktion publizieren zu können, danken wir den Sektionsverantwortlichen und dort insbesondere Marion Hilliges herzlich. Bei der Vorbereitung und Durchführung der Tagung und den Sektionsmoderationen haben Anna Maria Heckmann und Gunnar Klack Großartiges geleistet. Außerdem danken wir Franziska Greiner-Petter für ihre logistische Unterstützung, Judith Dreiling und Antonia Kölbl für die grafische Bearbeitung der Beiträge sowie allen Hilfskräften, die den organisatorischen Ablauf der Tagung ermöglicht haben. Die Herausgeberinnen und Herausgeber Kai Kappel, Ursula Müller und Tina Zürn

Deckblatt zur Ausgabe:  hier