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E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
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Privater Buchbesitz in der Renaissance. Bild, Schrift und Layout

Redaktion:  Angela Dressen / Susanne Gramatzki 

Ausgabedatum:  06.09.2014

Die Sammelleidenschaft in der Renaissance hatte viele Facetten: Gemälde, Skulpturen, Gemmen und Antiken sind nur einige wenige der Ausdrucksmöglichkeiten. Bücher wurden von vielen gesellschaftlichen Gruppen gesammelt, sei es von Humanisten zum Studium und zur literarischen Erbauung, sei es von Personen aus Gesellschaft, Politik oder Wirtschaft zu Bildungs- und Prestigezwecken. Dabei schloss sich das Sammeln von Kunstwerken und antiken Artefakten einerseits und von Manuskripten und Büchern andererseits nicht aus, sondern wurde von demselben Personenkreis betrieben und erwies sich als fruchtbare Verbindung, wie Philippa Sissis am Beispiel der Florentiner Humanisten, insbesondere Poggio Bracciolinis, aufzeigt („SchriftBild – Entwurf einer humanistischen Ästhetik? Die Handschrift Hamilton 166 von Poggio Bracciolini“). Die Künstler profitierten von den Kenntnissen, die die Humanisten von der antiken Sprache, Literatur und Kultur erlangt hatten, insbesondere von jenem Wissen, das in den humanistischen Sammlungen und Bibliotheken unmittelbar anschaulich wurde. Poggio Bracciolini ließ sich seinerseits ebenfalls von der Materialität der antiken Residuen inspirieren und entwickelte seine humanistische Minuskel mit Blick auf die im Stadtbild noch präsenten lapidaren Inschriften. Welches kreative Potenzial ein antiker Text gerade aufgrund seiner Verständnisschwierigkeiten entfalten konnte, wird in dem Beitrag von Rikke Lyngsø Christensen deutlich, die die Vitruv-Rezeption der Renaissance untersucht („The Text and the Detail. On methods of reading and systematizing Vitruvius in the Renaissance“). Ihr Augenmerk gilt neben den in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts erschienenen Vitruv-Editionen dem De architectura -Exemplar aus dem Besitz des Architekten Giovanni Battista da Sangallo (1496–1548). De architectura wurde erstmals um 1486 von Giovanni Sulpicio in Rom in Buchform herausgebracht; Sangallo nutzte die breiten Ränder dieser Ausgabe, um sein Verständnis der Vitruvschen Architektur niederzulegen, so dass sich ein spannendes Wechselspiel aus Drucktext, Handschrift und Zeichnungen, aus antikem Architekturtraktat und neuzeitlichem Interpretationsversuch ergibt. Die auf Texte bezogene Sammeltätigkeit umfasste Manuskripte und gedruckte Werke gleichermaßen, wobei oft unterschiedliche Motive zugrunde lagen. Manuskripte hatten immer den Charakter der Einzigartigkeit. Sie waren entweder von Humanisten für Humanisten kopiert oder stammten aus einer Werkstatt, die illuminierte Prachtexemplare für den elitären Bedarf herstellte. Gedruckte Werke konnten ebenfalls prachtvoll illuminiert sein oder besaßen oft zumindest noch die gemalte Zierinitiale. Das Verhältnis von Schrift, Bild und Layout ähnelte sich zunächst in vielen humanistischen Handschriften und den ersten Inkunabeln, dann entwickelten sich jedoch allmählich andere Stereotypen. Das Zusammenwirken von verbalen und visuellen Elementen untersucht Franz Obermeier anhand eines Genres, in dem Bilder besonders wichtig waren, nämlich der Reiseliteratur („Deutsche Reiseliteratur über Südamerika im 16. Jahrhundert. Stadens Erstausgabe des Brasilienbuchs Warhaftige Historia (1557), das Reisegenre und seine Bildsprache in Sammlungskontexten“). Eingegangen wird in dem Beitrag auch auf wichtige Aspekte der Überlieferungsgeschichte, was etwa Eigentümer oder Bindeeinheiten betrifft. Alison C. Fleming schließlich beschreibt in ihrem Artikel, wie in Zeiten des längst selbstverständlich gewordenen Buchdrucks der Versuch unternommen wurde, über die Verbindung von Bild und Text zur individualisierten Buchherstellung zurückzukehren („Combining & Creating a Singular Vita of Ignatius of Loyola“). Aus der Synthese einer visuellen (Vita Sancti Ignatii Loiola, Societatis Jesu fundatoris, 1622) und einer textuellen (Histoire de l’admirable Dom Inigo de Guipuscoa …, 1736) Biographie von Ignatius von Loyola entstand so ein ungewöhnliches und wahrscheinlich einmaliges Buch.

Deckblatt zur Ausgabe:  hier