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E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
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John Cage und technische Medien

Redaktion:  Jan Thoben / Shintaro Miyazaki 

Ausgabedatum:  19.12.2012

John Cage wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses Jubiläums widmet sich die vorliegende Ausgabe der ästhetischen Relevanz technischer Medien in seinem Oeuvre.

Wie kaum ein anderer Komponist seiner Zeit hat Cage sich künstlerisch zur Medientechnik positioniert. Seine Stücke für Radio (Imaginary Landscape No. 4), Plattenspieler (Imaginary Landscape No. 5, 33 1/3) oder Tape (Williams Mix), um nur einige Beispiele zu nennen, gehören zu den Schlüsselwerken der „Medien-Komposition“. Der Fokus auf technische Medien in Cages Oeuvre zielt dem entsprechend zum einen auf Aspekte des musikalischen Materialbegriffs und technisch induzierter Performanz, möchte andererseits aber auch medienepistemologische Dimensionen seiner künstlerischen Praxis aufzeigen.

John Cages idiosynkratische Fragestellungen nach der Materialität von Medien, nach Übertragen, Speichern und Prozessieren als Konstituenten ästhetischer Praxis machen nicht zuletzt die Aktualität seiner künstlerischen Antworten aus. Entscheidende produktionsästhetische Aspekte von Cages Oeuvre lassen sich als Konsequenzen medienarchäologischer Überlegungen verstehen. Die Zeit-Raum Proportionalität in seinen Notationen etwa, die zunächst am technischen Instrumentarium entwickelt, und prominent in den Partituren zu Music of Changes und 4'33" realisiert wurde, spiegelt das Zeitregime der Bandmaschine. Auch repräsentiert Cages auf Zufallsoperationen basierende Kompositionsmethode womöglich eine kybernetische Ästhetik im Sinne eines order from noise – Prinzips, wie Heinz von Foerster in Bezug auf Cages Partituren einmal äußerte. Dabei führt der dort ebenso angelegte Indeterminismus, auch was die Bedienung technischer Apparate betrifft, gleichsam zurück zur Offenheit und Kontingenz. Cages stilles Stück 4'33", welches als 0'00" in Form einer zweiten Fassung mit Mikrophonierung und Verstärkung die medientechnische Ebene und ihr Kanalrauschen ausdrücklich implementiert, adressiert eben jene Kontingenz des Medialen, A Silence Full of Noises, die sich als Quelle möglicher klanglicher Ordnungen erweist.