E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
Alexandra, Köhring

Ostblicke? Begegnungen sowjetischer und westeuropäischer Architekten in den 1950er Jahren

Im Kontext des Kalten Kriegs wurden auch Architektur und Städtebau zum Teil des Systemwettbewerbs zwischen Ost und West. Die Vorstellung von einem „Krieg der Stile“ dominierte lange die Forschungen zur Nachkriegsarchitektur. Doch auf Besichtigungsreisen und internationalen Architekturtagungen wurden bereits in den 1950er Jahren regelmäßig westliche und östliche Positionen des funktionalen Bauens diskutiert. Der Beitrag skizziert solche transnationalen Begegnungen zwischen Architekten aus der Sowjetunion und aus verschiedenen europäischen Ländern und betrachtet die wechselseitige Wahrnehmung des Baugeschehens. Grundlage bilden Berichte, die von sowjetischen Architekten und Städtebauern nach der Rückkehr aus dem Ausland abgegeben wurden, sowie Berichte, die die sowjetischen Begleiter ausländischer Delegationen über die Reaktionen und Äußerungen der Gäste verfassten. Zu Tage tritt eine Vielfalt der Perspektiven und Debatten, die nicht nur aus politisch-ideologischen Einstellungen generiert wurde. Materialien und Techniken bildeten einen globalen Maßstab, in den sich auch Architektur und Städtebau einordneten. Die Analyse der in der Nachkriegssituation historisch konstituierten Perspektiven in Architektur und Städtebau liefert damit einen Ansatz für eine erweiterte vergleichende Betrachtung der Stadtentwicklung in Ost und West.

Zugehörige Dateien: