E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
Ruck, Nora

Gesichtete Devianzen.

Im folgenden Beitrag möchte ich das Spannungsfeld Normalisierung/Optimierung in der Evolutionspsychologie erkunden und danach fragen, woraus diese Normen ihre besondere Macht beziehen. Ich konzentriere mich dabei auf die sogenannte evolutionspsychologische Attraktivitätsforschung und setze meine Befragungen bei einem ihrer konservativsten Rückgriffe an: bei ihrem Bezug auf evoluti-onstheoretische Psychologien des 19. Jahrhunderts. Dabei soll mir eine genauere Betrachtung der Visualisierungsverfahren, die zur analogen oder (später) digitalen Generierung von ‚schönen‘, ‚normalen‘ und ‚hässlichen‘ Gesichtern eingesetzt werden, dazu dienen, einige generalisierte Reflexionen über den Zeitvektor der Normalisierung anzustellen. Meine These ist, dass diesen Verfahren ein linearer Zeitbegriff zugrundeliegt, der die Zukunft direkt aus der Gegenwart ableitet und dazu beiträgt, gegenwärtige Verhältnisse nicht nur zu legitimieren, sondern zu reproduzieren und zu stabilisieren.

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