E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
Bauernschmidt, Stefan::ed337ac6cec28f1c0b2f4059140c5e44

Leonardos Abendmahl: Zwischen Kunst und Kommerz.

In diesem Artikel wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich bei einem Einzelbild mit Verweischarakter ein Intermundium, also eine Welt ‚dazwischen‘ öffnet, in dem sich andere Bilder einnisten und folglich immer mitzudenken sind. Am Beispiel der Modulation des Letzten Abendmahls von Leonardo da Vinci in den Rahmen der Werbung kann für diesen Fall gezeigt werden, dass aus einer visuellen Tradition geschöpft werden kann, die sich mit zielgruppenspezifischen zeitgenössischen Weltbildern synchronisiert. Es kann aufgezeigt werden, dass zum einen Bilder vorhanden sind, die einem anderen Bild, einem Werbebild in diesem Fall, als Vor-Bild, Verweis oder Kontrast dienen und zum anderen, dass ein Inszenierungsprozess abläuft, sei es in der Kunst oder in der Werbung, der zwischen Entwurf und Ergebnis auf spezifische Art und Weise vermittelt. Verschachtelt in die Explikation des Inszenierungsbegriffs und der daraus ableitbaren Aspekte, die das eröffnete Spatium füllen, sind Exemplifizierungen durch die unterschiedlichen Abendmahlversionen. In der Explikation des Zusammenhangs zwischen moderner Wirtschaftswerbung und jenem Inszenierungsbegriff einerseits und mit den Begriffen „Rahmen“ und „Modulation“ zu bezeichnenden Phänomenen, die zwischen dem „Original“ von Leonardo da Vinci (1498) und der Adaption von Horst Wackerbart (1992) zu finden sind, andererseits, werden weitere Argumente dafür geliefert, eher von einem Bilder-Paradigma anstatt von einem Bild-Paradigma zu sprechen. Es zeigt sich, dass in der Otto Kern Jeans-Werbekampagne, die eingestellt ist in eine historisch spezifische Gesellschaftsform, Bildelemente (Figuren, Szenen) transformiert werden, um sich an zeitgenössische Vorgaben zu adaptieren. In erster Linie werden kompositorische Elemente, aufgeladen mit einer spezifischen Bedeutung („Gemeinschaft“), beibehalten. Die aktuelle Bildbedeutung speist sich letztlich aus zwei Quellen: aus den sozialstrukturellen und kulturellen Rahmenbedingungen, in die die Zielgruppe eingebettet ist, und den bereits mit Bedeutung aufgeladenen Bildformen des Originals. Abschließend wird gefragt, inwiefern die zusammengetragenen Beobachtungen des Fallbeispiels für andere Fälle Geltung beanspruchen können, in denen die kleinste denkbare thematische Extension bildwissenschaftlicher Arbeit, das Einzelbild, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht.

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