E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
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Entspannt und gleichzeitig hellwach, der ideale Zustand zur Bildbetrachtung

Kunsterfahrung in Zusammenhang mit Kognitionswissenschaften ist eine produktive Herausforderung, die Impulse für die Wahrnehmungstheorie mit sich bringt. Der Wahrnehmungsbegriff wird durch die Ergebnisse der Neurobiologie angereichert. Die konkrete Kunsterfahrung und die subjektive, leibhaftige Phänomenologie im Sinne von Merleau-Ponty wird bei der Betrachtung der erweiterten Wahrnehmung einbezogen, indem die Kunsterfahrung als eine produktive, prozesshafte Herausforderung begriffen wird. Im Zentrum der Frage nach einer phänomenologischen Erweiterung der Kognitionswissenschaft steht die Frage nach der kognitiven Leistung, die der Kunsterfahrung zu Grunde liegt. Dadurch kann erklärt werden, warum bei der Kunstbetrachtung die Verweildauer eine Rolle spielt und länger hingeschaut werden muss, auch wenn auf den ersten Blick alles klar scheint. Aber das Sehen kann gelernt werden und dabei spielt der Umgang mit dem mitgebrachten Wissen und die Konzentration eine wichtige Rolle. Die Dominanz der Vorerwartungen tritt in den Hintergrund und die Seheindrücke treten nach vorne. Es ist der Mut, sich unter Verzicht auf alle vorgedachten Sicherheiten dem eigenen Wahrnehmen vorbehaltlos anzuvertrauen. Durch das Beobachten des Wie der Gestaltung und den Vorrang der Phänomene kann der Betrachter die Gestalt einer Sache wahrnehmen und Sinn durch die Sinne fassen.

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