E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
Fischel, Angela

Sehen, Darstellung, Beschreiben. Mikroskopische Beobachtungen in den Stichen der Micrographia

Im Zentrum des Aufsatzes steht die Darstellung mikroskopischer Bilder. Die visuelle Wahrnehmung war mit dem Gebrauch des Mikroskop relativ geworden. Ob man mit bloßem Auge oder durch das Mikroskop blickte, jeder Blick zeigte potentiell einen anderen Fokus der Welt, je nach dem wie und womit man sah. Dieses Konzept ist bereits in der Perspektivlehre enthalten, wird aber erst mit Hilfe des Mikroskops praktisch umgesetzt. Um diesen neuen visuellen Effekt zu erfassen, experimentierte Hooke mit verschiedenen Darstellungen von Raum im Bild. Anhand der Drucke der Micrographia lässt sich zeigen, dass die Betrachtung des mikroskopisch Kleinen nicht einfach als die Fortsetzung des Bekannten auf neuem Niveau verstanden, sondern auch bildlich als neue Dimension des Sehens umgesetzt wurde. Schließlich dienten sie auch der Beschreibung einer bisher nicht sichtbaren Ebene von Wirklichkeit. Das Sehen wurde durch das Mikroskop zwar relativiert, aber auch potenziert. In der Beschreibung von Räumen im Bild mit Hilfe der Perspektive und in Reproduktionstechniken wie dem Kupferstich erhielten diese Ansprüche eine erste Artikulation.

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