E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
Reichle, Ingeborg

Kunst im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit des Menschen

Zur Rezeption der Gentechnik in der zeitgenössischen Kunst. Bilder vom Menschen sind geprägt vom Medium, in dem sie erscheinen. Die vielschichtigen Wechselbeziehungen zwischen spezifischen, in einer bestimmten Epoche jeweils dominanten Bildern vom Menschen und den damit verknüpften Körper- und Geschlechterkonzepten werden seit vielen Jahren in den Künsten thematisiert. Künstler und Künstlerinnen setzen die Sprache der Kunstsphäre in Bezug zu den technisch hergestellten Bildern in der Medizin, bzw. den Biowissenschaften. Durch die Verknüpfung technischer Bilder der Naturwissenschaften mit der bildenden Kunst können diese Bilder dechiffriert und einer neuen Lesart zugeführt werden, die jene im naturwissenschaftlichen Kontext produzierten Bilder auch als Einschreibefläche anderer Wissensgebiete und kultureller Bereiche erkennt. Künstler und Künstlerinnen stellen den Anspruch auf "Wahrheit" und "Objektivität" insbesondere medizinischer Bilder vom Menschen und den wissenschaftlichen Modellen der Biowissenschaften in Frage und suchen mit einer Ikonographie naturwissenschaftlicher Bilder jene kulturellen Codes, die in diesen Bildern transportiert werden, zu entschlüsseln. Auf diese Weise werden Potentiale neuer Überschneidungen und Konfigurationen zwischen den "Zwei Kulturen" ausgelotet und Brücken zwischen diesen Polen formuliert. Die Spannweite der Auseinandersetzung von Künstler und Künstlerinnen wie Suzanne Anker, Pam Skelton, Nell Tenhaaf, Eduardo Kac oder Joe Davis, reicht von den virtuellen Bildern des Visible Human Project bis hin zu computergestützten Visualisierungsmodellen der Molekulargenetik und dem Einsatz der DNA als Material im künstlerischen Schaffensprozess.

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