E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
Rossmann, Rainer

Lebendige und tote Denkmale. Vom Recht der Denkmale auf Veränderung

Ausgehend von den Fragen, was ist ein lebendiges Denkmal in bezug auf seinen toten Bruder, welche gesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigen lebendige gegenüber toten Denkmalen, warum ist der Schutz von Denkmalen ein bürgerliches Phänomen, verlieren Denkmale ihren historischen Quellenwert durch Veränderung, ist die Befragung des Denkmals in bezug auf seinen historischen Aussagewert ausschließlich an die Originalsubstanz gebunden, werden in dem Aufsatz die folgenden Thesen vertreten: Das 20. Jahrhundert war das der Technik. Dem akzelerierenden Veränderungsprozess und dem anything goes hat die Denkmalpflege tote Denkmale quasi als Schranke und Bremse entgegengestellt. Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert der Ökologie werden oder es wird nicht sein. Denkmalpflege wird sich dem übergeordneten anthropologischen Interesse unterordnen müssen. Dies wird nicht ohne Beseitigung von gebauter Geschichte gehen. Die Veränderbarkeit der Denkmäler könnte deren konstruktiver Beitrag zur ökologischen Herausforderung sein. Die Veränderbarkeit der Denkmäler und mit diesem ihr (partieller) Substanzverlust findet seine (Über-)Kompensation durch Neusetzung von Wert. Das Denkmal wird einem Wertsetzungsprozess überantwortet, dessen Kehrseite notwendig ein kontinuierlicher Substanzverlust ist. So gesehen wäre Denkmalpflege im 21. Jahrhundert die Ermöglichung und Dokumentation eines kontinuierlichen Veränderungsprozesses. Das Denkmal, das historische Zeugnis ist der Veränderungsprozess selbst. Die von der Öffentlichkeit den Denkmalpflegern und Denkmalpflegerinnen übertragene Aufgabe besteht unter diesen Prämissen darin, den Prozess der Veränderung offen anzuerkennen und so zu begleiten, dass hiermit ein geänderter Denkmalwert konstituiert wird.

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