E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
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Bausteine für Führerkult und Gemeinschaftsglaube

In diesem Artikel wird versucht, die Architektur Nazideutschlands in ihrem spezifischen Gestaltungsgesetz aus den Grundaxiomen der „nationalsozialistischen Weltanschauung“ abzuleiten. Er basiert auf eigenen Untersuchungen, die eine verbindende Formlogik der Bauten der NS-Zeit herausarbeiteten und die Frage nach der Erklärung dieses inneren Zusammenhangs provozierten. Der Text, für die „Kunsttexte“ geschrieben, wird hier zur Diskussion gestellt. Die repräsentative Bedeutung vor allem der Monumentalbauten „des Dritten Reichs“ geht aus bekannten Proklamationen Hitlers und anderer „Führer“ klar hervor. Dennoch herrschte bislang eine Scheu, solche Äußerungen auf das erkennbare gemeinsame Gestaltungsprinzip der Bauten zu beziehen; selbst die Existenz einer NS-Architektur wurde verneint. Denkblockaden wie diese galt es zu durchbrechen und die Analogien zwischen politischen „Ideen“ und bauästhetischen Strukturen neu in den Blick zu nehmen. So kommen die Besonderheiten des „Ausdrucksgehalts“ von Bauten und damit Spezifika der Architektur-Ikonologie in den Fokus der Analyse, was zugleich helfen kann, den Nationalsozialismus in seiner Zeit historisch genauer zu verorten. Der innere Zusammenhang der NS-Architektur wird zunächst an vier Bauten unterschiedlichen Aufwands dargelegt. Er konzentriert sich in einem Formprinzip, das sowohl neoklassizistische Bauten wie die des „Heimatstils“ bestimmt: Die Bauteile und Details, sämtlich als geometrische Grundformen vereinfacht, sind ohne jede Vermittlung in die hierarchischen Ordnungsformen der Axialität und Symmetrie gebracht. Dem Aufbau der NS-Gebäude aus diesen „Elementarformen“ entsprach die idealisierte Vorstellung einer Volks-, genauer Rassengemeinschaft aus gleichwertigen Kämpfern, ein Moment des Egalitären innerhalb des Wahngebildes einer strikten Rassenhierarchie. Im „Führerprinzip“ auf seinen Begriff gebracht, fand dieses hierarchische Denken in der „brutalen“ Monumentalität der Größenkontraste und der plastischen Dominanz von Einzelformen seine Entsprechung. Zitate von führenden NS-Ideologen machen die Beziehungen zwischen dem angestrebten politischen Verhältnis von Führer(n) und Gefolgschaft und seiner architekturästhetischen Umsetzung im Verhältnis von Baustein und Bau deutlich. In einem dritten Abschnitt wird die Rolle des „Heimatstils“ in der NS-Architektur als konstruierter Ausdruck von Stammeseigenarten innerhalb der „Rassengemeinschaft“ erklärt. Eine umfassende Untersuchung des Bauens dieser Zeit soll mit dem Text nicht vorweggenommen werden. Sie müsste, auf einer systematischen Analyse des nationalsozialistischen Wahnsystems beruhend, den gesamten Bereich des räumlichen Gestaltens, von der Innenarchitektur bis zum Städtebau, einbeziehen.

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