E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
Cieślińska-Lobkowicz, Nawojka

Raubkunst und sogenannte Beutekunst, Provenienzrecherche: getrennt oder gemeinsam?

Der Essay ist ein an polnische und deutsche Fachkreise von Kunsthistorikern, Museumsmitarbeitern, Bibliothekaren und Archivaren gerichtetes Plädoyer für die Aufnahme gemeinsamer Recherchen im Bereich der breit verstandenen Provenienzforschung zu Kunstwerken und Kulturgütern, die infolge von NS-Verfolgungen vor und während des Zweiten Weltkrieges widerrechtlich beschlagnahmt wurden. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und der Wiedervereinigung Deutschlands standen verschiedene Faktoren einer solchen Zusammenarbeit im Wege. In Deutschland hat die Provenienzforschung in den letzten 20 Jahren zunehmend Anerkennung als Forschungsdisziplin sowie politische und institutionelle Unterstützung erfahren. In Polen fand ein vergleichbarer Prozess nicht statt; die Gruppe von Fachleuten, die die Bedeutung von Provenienzstudien wertschätzen, ist hier weiterhin sehr klein. Der beträchtliche Erkenntniszuwachs der Provenienzforschung in Deutschland und anderen Ländern zum NS-Kunstraub und seinen weitreichenden Folgen betrifft jedoch nicht den Osten Europas mit Polen, dessen Territorium zum Spielfeld von NS-Massenplünderungen von öffentlichen Sammlungen und Privateigentum wurde. Dieses Forschungsdefizit bedarf dringend der Zusammenarbeit und der Zusammenführung von Forschungspfaden.

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