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E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
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  • Carolin Höfler
  • „World Wide Tahrir“. Der städtische Platz zwischen Online-Bespielung und Offline-Besetzung
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  • Entgegen der oft geäußerten Behauptung, der öffentliche Raum verschwinde im Zeitalter der digitalisierten Kommunikationstechnologien, erleben derzeit städtische Plätze als Orte von Massenprotesten ein Comeback. Beklagten Architekten und Theoretiker in den vergangenen Jahrzehnten den Rückzug des konsum- und krisenmüden Metropolenbewohners in das häusliche Privatleben, feiern sie das Jahr 2011 als Wendepunkt im Verhältnis von Stadt und Benutzern. Die Rückeroberung des urbanen Platzes als Diskussions- und Aushandlungsraum zwischen Gesellschaft und Autoritäten betreiben ausgerechnet jene Digital Natives, die mit den neuen Technologien aufgewachsen sind. Für die medienerfahrenen Protagonisten der Arabellion und der Occupy-Bewegung spielen die urbanen Plätze eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung ihrer Ziele, da sie planmäßig bespielt und medial inszeniert werden können. Mithilfe digitaler Netzwerke lässt sich auf neue Weise Regie führen, wenn große Menschenmengen sich scheinbar spontan auf städtischen Plätzen versammeln sollen. Zudem stellen die beharrlichen Dauerdemonstrationen produktive Bilder bereit, mit denen bestehende Herrschaftsstrukturen zurückgewiesen und neue Ordnungen imaginiert werden können. In den zahlreichen Fotografien der besetzten Stadträume soll die Utopie einer globalen, egalitären Gemeinschaft veranschaulicht werden, die durch die digitale Kommunikation erneut an Bedeutung gewonnen hat. Der öffentliche Platz, Urbild für ein geordnetes, gleichberechtigtes und öffentlich verhandeltes Miteinander, ist das plakative Sinnbild dieser Vorstellung. Mit dem Ziel, eine reale und mediale Gegenöffentlichkeit herzustellen, errichten die Protestteilnehmer eine temporäre ‚Stadt in der Stadt‘, die vor der wirkmächtigen Negativkulisse der Platzarchitekturen in Szene gesetzt wird und klassische Elemente von Idealstadtbildern enthält.
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