E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte
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Siegenthaler, Fiona

Schichten des Transitorischen

Das Stadtzentrum von Johannesburg hat in den letzten zwanzig Jahren und insbesondere seit Einführung der Demokratie in Südafrika 1994 einen enormen sozialen und kulturellen Wandel erlebt, der praktisch alle Bereiche des urbanen Lebens betrifft: von der Wohnsituation über die Bewältigung des Alltags in den belebten Strassen bis hin zur Selbstpositionierung in dieser sich schnell verändernden Gesellschaft. Die künstlerische Auseinandersetzung mit diesen veränderten Realitäten erfolgt sehr oft im Medium der Fotografie und knüpft so an die Tradition der sozialen Dokumentation und des Fotojournalismus während des Widerstandskampfes an. Die Strategien der Künstlerinnen sind jedoch sehr vielfältig und reichen von der klassischen Stadtfotografie über soziale Dokumentation bis hin zur Darstellung der eigenen Stadterfahrung mit formal-ästhetischen Mitteln. Oft dienen dabei der Spiegel, die Metalloberfläche oder auch Glasscheiben dazu, die Komplexität dieser transitorischen Stadt zu reflektieren. Diese reflektierenden Oberflächen - oft durchsichtig, semi-opak, verschmutzt oder zersprungen - sind ein spezifisches fotografisches Mittel, mit dem Neuen, Unbekannten oder auch Vergänglichen in der Stadt umzugehen. Gesellschaftliche Widersprüche werden im Zwiegespräch von Real- und Spiegelraum im Bild offengelegt, die Psyche der Automobilistin wird ebenso wie die Unsichtbarkeit von Strassenwischerinnen untersucht, oder die Dystopie moderner Architektur in ihrer Verzerrung inszeniert. Die Spiegelung, aber auch die Trübung durch Glas und andere Materialien, werden so zur Reflexionsfläche des urbanen Bewusstseins für das Transitorische.

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