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Schäffler, Anna

Variation & Interpretation. Zum posthumen Aufbau installativer Kunstwerke

Die posthume Präsentation prozesshafter und installativer Kunstwerke stellt die Restaurierungspraxis in den letzten Jahren zunehmend vor neue Herausforderungen, da sich diese Werke der Vorstellung eines zu rekonstruierenden Originalzustands entziehen. Die Gestaltung eines Werkes nach dem Tod der KünstlerIn ist nicht zuletzt abhängig von der jeweiligen Gewichtung der damit verbundenen ästhetischen, konzeptuellen oder auch ökonomischen Aspekte. Interpretierende Restaurierungsentscheidungen und Variation der räumlichen Anordnung stellen gängige Konzepte von Autorschaft, Authentizität und Originalität in Frage. Mein Beitrag fokussiert auf Problemfelder, die sich zwischen restauratorischen Richtlinien, musealem Bewahrungsauftrag und künstlerischer Intention ergeben können. Beginnend mit einigen grundlegenden Erläuterungen des restauratorischen Handelns wird zunächst die Veränderung des Aufgabenbereichs bei der Erhaltung installativer Kunstwerke und die folgenreiche Auffassung der RestauratorIn als InterpretatorIn skizziert. Zudem werden die restauratorischen Leitlinien auf ihr Verständnis von Original und Authentizität hin untersucht. Ausgehend von meiner eigenen praktischen Installierungserfahrung der Werke von Anna Oppermann veranschaulicht der zweite Teil des Beitrags die von Oppermanns Nachlass entwickelte Form der "interpretierenden Neuinstallierung" als einen Versuch, das ephemere, offen angelegte Werk der Künstlerin adäquat zu präsentieren und zu bewahren. Um den prekären Status des Werkbegriffs angesichts stetigen Wandels und Fortentwicklung zu fassen stelle ich abschließend den Begriff der Variation zur Diskussion und plädiere für ein zunehmendes Bewusstsein dafür, dass Veränderung und Austausch teil der kulturellen Bewahrung von zeitlich beschränkten materiellen Werken ist.

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