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Kunz, Bettina

"Grenzüberschreitung" Neue Wege der Ausstellungspraxis.

Die Institution 'Kunstmuseum' ist von ihrer Struktur, ihrer Arbeitspraxis und ihren Vermittlungsstrategien her betrachtet noch stark der Ausprägung verhaftet, die sie im 19. Jahrhundert erlebte. Da sie deshalb den gewandelten Ansprüchen der heutigen Gesellschaft und Kultur nicht mehr gerecht wird, werden sowohl auf wissenschaftlich-theoretischer Ebene als auch in der Praxis nach möglichen Lösungen für dieses Problem gesucht. Der Aufsatz möchte veranschaulichen, wie fruchtbar es sein kann, wenn ein Kunstmuseum die aus dem 19. Jahrhundert stammenden institutionellen Grenzen überschreitet. Den Ausgangspunkt der Erörterung bildet ein Beispiel aus der Praxis, eine im November 2007 mit großem Erfolg durchgeführte Kooperation zwischen Kunstmuseum Stuttgart und Stuttgarter Ballett. Diese Zusammenarbeit stieß nicht nur beim Publikum auf großen Anklang, sondern erwies sich auch aus der Perspektive eines Kunstmuseums betrachtet als extrem innovativ. Konkret fand dabei im Rahmen einer Ausstellung eine Choreografie statt, die speziell zu diesem Anlass kreiert worden war. Das Museum fungierte somit zum einen als Ort der Präsentation und Interpretation der Kunst, zum anderen wurde es gleichzeitig zu ihrem Aktionsfeld und damit zum Ausgangspunkt einer neuen Interpretation. Des Weiteren wurden die üblichen Vermittlungspraxen, Ausstellung und Führung, auf interessante Weise ausgedehnt und dem Besucher eine neue Art von Museumserfahrung ermöglicht. Somit wurden Forderungen nach einer zeitgemäßen Form und auch nach einer solchen Funktion eines Kunstmuseums erfüllt. Der Aufsatz untersucht anhand einer Analyse des Projekts, welche Faktoren zu seinem Gelingen führen konnten. Dabei wird der Versuch unternommen, allgemeine Schlüsse für erfolgreiche Versuche der 'Grenzüberschreitung' im Kunstmuseum abzuleiten. Erkenntnisse aus dem aktuellen wissenschaftlichen und theoretischen Diskurs zu dieser Thematik werden hierzu mit Informationen verbunden, die aus Interviews mit den Hauptbeteiligten des Kooperationsprojekts gewonnen wurden.

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